Nein, wir reden nicht über das neue Wasserstoffauto, das BMW in Kooperation mit Toyota aktuell für den Markt vorbereitet. Heute geht um das BMW-Werk in Leipzig. Vor etwa 10 Jahren hatte ich die Gelegenheit, das Werk und die Produktion des i3 zu besichtigen. Mit dem i3 hatte BMW damals seine Pionierrolle in der E-Mobilität demonstriert: Ein leichtes, kompaktes und sportliches E-Auto. Die Produktion der Kohlenstoff-Karosserie erfolgte in einer riesigen Halle und nur mit Robotern. Das war schon sehr beeindruckend. Ich will aber auch nicht die immer größer und schwerer gewordenen E-Autos thematisieren.
Bei der Anfahrt zum Werk Leipzig stechen einem die vier Windräder auf dem Werksgelände ins Auge. Die liefern je nach Wind bis zu 10 MW Strom für den Betrieb des Werkes. Die für mich große Überraschung bei der Werksbesichtigung war ein Regal voller Batterien, so wie sie im i3 verbaut waren. Die waren über ein Energiemanagement-System mit dem Stromnetz des Gebäudes verbunden und sorgten für den Ausgleich zwischen Verbrauch im Werk und Erzeugung von Strom aus den Windmühlen. Bis zu 700 Hochvoltbatterien werden heute für die Stromspeicherung eingesetzt. Damals waren es Batterien aus der Entwicklung, die nicht mehr gebraucht werden. Heute sind es oft Rückläufer aus dem Markt, die ihr zweites Leben (Second Life) im Werk verbringen. All diese Batterien kosten nichts und leisten trotzdem wertvolle Dienste.
Inzwischen gibt es auch noch eine 3,9 MWp Photovoltaikanlage auf den Dächern des Werkes.
Wasserstoff war für BMW auch immer ein wichtiges Thema. So sind im Werk Leipzig 230 mit Wasserstoff/Brennstoffzelle betriebene Flurförderzeuge im Einsatz. Diese sind rund um die Uhr im Einsatz und können in wenigen Minuten vollgetankt werden. Die bei den Batterie-betriebenen Flurförderzeugen notwendigen langen Ladezeiten und die damit verbundenen hohen Investitionen für Zweitakkus entfallen. Nachdem es dafür fünf Wasserstofftankstellen auf dem Gelände gibt, entstand schnell die Idee, auch LKWs für die externe Logistik mit Wasserstoff anzuschaffen. Derzeit sind zwei H2-Lkws mit Brennstoffzelle und zwei mit Verbrenner im Einsatz.
Die jüngste Aktion war, die Wärme für die Lackieranlage ebenfalls über Wasserstoff zu erzeugen
Mit dem zunehmenden H2-Bedarf war es naheliegend, das Werk auch an das gerade entstehende H2-Kernnetz anzuschließen. Dafür wurde kürzlich der Bau einer 2 km lange Pipeline gestartet. Bis 2028 soll sie in Betrieb gehen (siehe link).
Die Aktivitäten von BMW in Leipzig demonstrieren sehr schön die Vielfalt der Technologien, die für eine erfolgreiche Energiewende notwendig sind.
Titelbild Quelle BMW Pressemitteilung


