Nachgerechnet: Soll ich mir eine Wärmepumpe kaufen?

Alle, die mich kennen, ahnen schon, dass das ein kritischer Bericht wird. Nein, ich habe nur mal kurz nachrechnet, ob eine Wärmepumpe für mein Haus Sinn macht. Wärmepumpen sind eine tolle Erfindung, leisten seit Generationen in unseren Kühlschränken wertvolle Dienste und werden auch für das Heizen von Gebäuden eine wichtige Rolle spielen. Meine Motivation:

Weg vom Erdgas aus Russland und den USA!

Zu den Fakten: Meine Gasheizung ist 18 Jahre alt geworden, wird aber sicherlich bis 2045 ihren Dienst tun, wenn es dann aufgrund der vereinbarten Klimaneutralität kein Erdgas mehr geben wird. Ich habe schon seit 10 Jahren eine Photovoltaik (9 kW) auf dem Dach und einen Batteriespeicher (9 kWh) im Keller. Mein Gasverbrauch zum Heizen lag im letzten Jahr bei etwa 9.000 kWh. Dafür habe 1.124 € an die Stadtwerke bezahlt (Arbeitspreis brutto).

Wenn ich die Wärme jetzt mit einer Wärmepumpe erzeuge, dann brauche ich bei einem CoP 3 (Wirkungsgrad der Wärmepumpe von 300 %) 3.000 kWh Strom. Dann kostet mich dieser bei meinem aktuellen Strompreis  vom 0,4 €/kWh (Arbeitspreis brutto) 1.200 €. Das ist mehr, als ich für das Gas zahle.

Erstes Fazit: Auch wenn ich einen etwas günstigeren Stromtarif bekommen würde, lohnt sich das auf der finanziellen Seite nicht. Die 20.000 €, die eine Wärmepumpe nach Förderung kostet, kann ich über den Energieverbrauch nie zurück verdienen.

Aber es geht doch um das Klima und die Importabhängigkeit bei Erdgas!

Nachdem ich eine Photovoltaik mit Speicher habe, könnte der Strom für die Wärmepumpe ja von der Sonne kommen. Um das zu bewerten, reicht ein Blick auf die konkreten Zahlen meiner Anlage: In den Monaten Oktober bis März habe ich keinen Strom ins Netz eingespeist  – das heißt, ich habe auch keinen Strom für eine Wärmepumpe übrig. Der wenige Sonnenstrom wird heute komplett im Haushalt inkl. des Ladens des E-Autos (das sind etwa 150 kWh pro Monat) verbraucht.

Nachdem die Wärmepumpe fast nur in den sechs Wintermonaten im Einsatz ist (im Sommer gibt es genügenden Sonnenenergie für das Duschwasser), bedeuten die jährlich 3.000 kWh Strom für die Wärmepumpe monatlich etwa 500 kWh zusätzlicher Strombezug vom Energieversorger. Nachdem in den Wintermonaten heute selten überschüssiger Strom aus Wind und Sonne zur Verfügung steht, muss dieser in einem Kraftwerk auch zusätzlich erzeugt* werden. Nehmen wir an, der zusätzliche Strom kommt aus einer Gasturbine, dann bedeutet das etwa 500 g CO2/kWh für Strom aus Erdgas. Die CO2-Emission einer Gasheizung beträgt etwa 200 g CO2/kWh für Wärme.

In Summe heißt das: mit den 9.000 kWh Erdgas der heutige Heizung erzeuge ich 1.800 kg CO2 (9.000 x 0,2).

Mit der Wärmepumpe entstehen bei der Stromerzeugung im Kraftwerk 1.500 kg CO2 (3.000 x 0,5).

Der Erdgasverbrauch und die CO2-Emissionen werden damit vom Haus zum Kraftwerk verlagert.

Die Einsparung beträgt dann etwa 300 kg CO2 im Jahr für den kompletten Haushalt. Diese 17% weniger CO2 bedeuten auch 17% weniger Import an Erdgas aus den eingangs genannten Ländern – das ist gut, aber überschaubar. Zum Vergleich: Die 300 kg eingespartes CO2 entsprechen etwa 2.000 km Autofahren mit einem Verbrenner oder dem einfachen Hinflug nach Mallorca.

Das wird aber doch mit den Ausbau der Erneuerbaren besser! Nein, da wir in den Wintermonaten immer wenig Sonne und auch wenig Wind haben und gleichzeitig der Strombedarf für die vielen neuen Wärmepumpen und E-Fahrzeuge steigt.  CO2-frei wird der Strom in dieser Jahreszeit erst dann, wenn wir ihn aus grünem Wasserstoff erzeugen. Dann könnte ich doch mit dem Wasserstoff direkt meine Heizung betreiben, anstatt zuerst im Kraftwerk daraus Strom zu machen und diesen in einer Wärmepumpe in Warmwasser umzuwandeln? Ja, genau wird es sein, sobald die Erdgasleitungen auf Wasserstoff umgestellt sind.

Fazit: Wenn die alte, fossile Heizung noch gut funktioniert, macht ein Tausch auf eine Wärmepumpe wenig Sinn, solange wir im Winter nur sehr begrenzt grünen Strom verfügbar haben. Wenn ich ein neues Haus baue oder die alte Heizung kaputt ist, dann ist natürlich die Wärmepumpe die bessere Lösung.

Was wir brauchen: Eine durchdachte, ganzheitliche Strategie!

 

 

* Viele argumentieren, dass hier mit der CO2-Emission des Strommixes gerechnet werden müsste. Das ist nicht richtig, da ein zusätzlicher Verbraucher (Wärmepumpe) dann den grünen Stromanteil anderen Verbrauchern (z.B. Waschmaschine) wegnimmt.

Rechnet man die heutigen Kohlekraftwerke in die CO2-Bilanz der Wärmepumpe mit ein, dann wird das Ergebnis deutlich schlechter.

 

 

 

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Eine Antwort

  1. Das ist die Realität. Sehr verständlich zusammengestellt und zeigt, dass es auch immer wieder um die Frage gehen sollte: Wie viel Strom-, Wärme- oder Kühl-Energie braucht es denn für ein gutes Leben?
    Dann ist möglicherweise – je nach Gebäudebestand, oder Neubauqualität – das Wohnen, Arbeiten und das „gewohnte Tun“ auch noch ein Hebel zur Verbesserung.

    Beste Grüße

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