Nichts ist unmöglich

Schon wieder über eine Automarke? Es stimmt: Letzte Woche hat Uta Weik über den Citroen 2CV geschrieben, der in anderthalb Jahren als E-Auto auf den Markt kommen soll. Dabei hat sie vor allem deutlich gemacht, wie bestimmte Autos auch viel über die generelle Geisteshaltung des Fahrers aussagen können.

Im heutigen Beitrag – darauf deutet bereits die Überschrift hin – soll es um Toyota gehen. Genauer gesagt darum, wie es dem Konzern bisher gelingen konnte, von der beängstigenden Entwicklung der deutschen Autoindustrie weitgehend verschont zu bleiben. Denn nach wie vor verkauft die  Firma mehr Autos als jede andere Firma: 11,3 Millionen waren es im vergangenen Jahr, während VW es auf 9 Millionen brachte.

Wie also machen die das? Dazu muss man wissen, dass es seit jeher zur Strategie und dem Prinzip von Toyota gehörte, ihre Motoren nicht nur für ein bestimmtes Fahrzeug zu bauen, sondern für möglichst viele Anwendungen – das hat Daimler übrigens bereits vor 100 Jahren beherzigt und sehr lange Erfolg damit gehabt. Dabei ging es Toyota ebenfalls darum, möglichst schnell hohe Stückzahlen zu produzieren, um damit die Kosten zu senken. Gleichzeitig gilt bis heute das Produktionssystem: Verschwendung vermeiden, Fehler sofort erkennen und damit auch den Herstellungsprozess ständig zu verbessern und aktuell zu halten.

Und vielleicht noch wichtiger: Die verschiedenen Antriebsformen Verbrenner, Batterie, Hybrid, Plug-in-Hybrid, Range-Extender und Brennstoffzelle sollen sich in erster Linie in den sich schnell verändernden Märkten bewähren.  Eine langfristige Strategie entscheidet und nicht was gerade besonders „angesagt“ ist. Toyota nennt das seinen „Multi-Pathway“. Vor diesem Hintergrund hat die Firma schnell erkannt, dass die Stromerzeugung über Wasserstoff/Brennstoffzelle unbestreitbare Vorteile für LKW, Nutzfahrzeuge, Busse, Schiffe oder stationäre Stromgeneratoren hat. So findet man die Brennstoffzelle aus dem Mirai auch im Daimler Bus. Durch strategische Kooperationen wie mit BMW, Volvo/Daimler Truck und mit vielen chinesischen Unternehmen wird ebenfalls die zu produzierende Stückzahl nach oben getrieben.

Zum Portfolio gehören auch Wasserstoff-Verbrenner und  E-Fahrzeuge mit Range Extender, von denen die Produktion bis 2028 auf 400.000 Einheiten hochgefahren werden wird.

In jedem Fall bleibt Toyota seinem übergeordneten, durchaus traditionellen Prinzip weiterhin treu: Wie schnell lässt sich die jeweilige Technologie, in welchem Markt und in möglichst großen Stückzahlen industrialisieren, und das vor allem zu wettbewerbsfähigen Kosten?

Wie gut Toyota darin ist, eine möglicherweise riskante Technologie – das war damals der Hybrid –  in ein wahres Massenprodukt zu verwandeln, zeigt das Beispiel des Prius, den ich im Übrigen selbst 13 Jahre lang gefahren bin, ohne ein einziges Mal Probleme mit ihm oder seiner Antriebstechnik zu bekommen.

Für die vielen geopolitischen Veränderungen, die so viele Bereiche erfasst, und für die Energiewende ist das „Familienunternehmen“ gut für die Zukunft gerüstet.

Dass Toyota sich sehr konkret mit Fragen der Zukunft befasst, beweist auch das Projekt Toyota Woven City, ein Real-Labor, in dem zum Beispiel autonomes Fahren, Robotik und Erfahrungen mit der KI getestet werden. Es gilt im Übrigen als Herzensanliegen der Familie. Interessant dabei: die Energie bezieht diese „Stadt der Zukunft“ aus Wasserstoff-Brennstoffzellen und Solarzellen auf den Dächern. Darüberhinaus laut Wikipedia ein Verkehrskonzept, das vielen deutschen Kommunen wie ein Märchen vorkommen dürfte: „Ein ineinandergreifendes 3×3-Straßennetz mit drei getrennten Mobilitätszonen: Straßen für autonome, emissionsfreie Fahrzeuge, Wege für persönliche Mobilität (Fahrräder, E-Scooter) und verkehrsfreie Park- und Fußgängerzonen…“

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