Viel wird in unserem Land diskutiert, auch über den Sonnenstrom. Auf der einen Seite die euphorischen Berichte über ständig neue Rekorde. Kein Wunder, seit mehr als fünf Monaten haben wir fast durchgängig Sonne pur – das sind schon mediterrane Verhältnisse. Auf der anderen Seite wird gejammert über den angeblich notwenigen Netzausbau und die angeblich hohen Kosten, was sehr irreführend ist.
In den letzten Tagen hat die Internationale Energieagentur (IEA) über die globalen Entwicklungen bei der Photovoltaik berichtet. Für Volkswirtschaften, die wie Deutschland stark vom Export von Wirtschaftsgütern und vom Import von Energie abhängig sind, sollten diese Zahlen wichtige Erkenntnisse liefern. Ich habe einige Aspekte aus der sehr umfassenden Dokumentation aufgegriffen.
Wer hat im letzten Jahr wie viel Photovoltaik installiert?

Deutschland ist mit drei Prozent der weltweiten Installationen von 690 Gigawatt (GW) dabei, halb so viel wie in den USA. Interessant, dass die Saudis und Pakistan inzwischen in der Hitliste auftauchen. China dominiert mit 60 Prozent den Weltmarkt. Insgesamt haben beachtliche 36 Länder mehr als 1 GW an Photovoltaik installiert. Der weltweite Umsatz der Solarbranche beträgt heute etwa 500 Milliarden US Dollar.
Wo werden die PV-Zellen, die Schlüsseltechnologie für die Sonnenstromerzeugung, produziert?
Zu fast 90 Prozent in China. „High-Tech-Land“ Deutschland oder Europa tauchen in der Grafik erst gar nicht auf.

Schaut man auf die Arbeitsplätze der gesamten Solarbranche, dann findet man in dem IEA-Bericht für Deutschland etwa 100.000 Arbeitsplätze. In China sind es 4,8 Millionen!
Wie wird sich die Solarbranche in der Zukunft weiterentwickeln?
In den letzten fünf Jahren ging es mit den PV-Installationen steil nach oben, und – wie die Grafik unten zeigt – vor allem in der Region Asien/Pazifik, :

So richtig spannend wird es beim Blick auf die weltweite Stromversorgung:

Da macht der Sonnenstrom erst 6,9 Prozent aus. Mit 69 Prozent dominieren Kraftwerke, die vor allem mit Kohle und Erdgas befeuert werden. In Deutschland liegt der Anteil der Stromerzeugung mit der Sonne bei etwa 17 Prozent. Betrachtet man die Primärenergieversorgung, die stark von Erdgas und Erdöl für das Heizen und den Verkehr geprägt ist, dann reduziert sich der Anteil des Sonnenstroms auf 2,3 Prozent in Deutschland und weltweit auf 1,5 Prozent. Das bedeutet, dass der Weg zur Klimaneutralität noch sehr weit ist, wie auch ein Bericht der Irena aufzeigt.
Damit ist das Wachstumspotential für die Solarbranche gigantisch hoch!
Die Nutzung des Sonnenstroms ist unabdingbar mit dessen Speicherung verbunden. Von den 8.760 Stunden eines Jahres, an denen wir auf Strom angewiesen sind, haben wir in Deutschland etwa 1.800 Sonnenscheinstunden für die Stromversorgung über Photovoltaik verfügbar. In den sonnenreichen Regionen unserer Erde sind es etwa doppelt so viele Stunden. Auf alle Fälle spielt die Speicherung von Strom eine Schlüsselrolle. Dabei sind Batterien für die Kurzzeitspeicherung (Tag-Nacht) ideal. Die Grafik aus dem Bericht zeigt sehr eindrucksvoll das Wachstum in den letzten Jahren (BESS = Battery Energy Storage System, Batteriespeicher-System):

Leider haben die Experten vergessen, die Zahlen für China zu berücksichtigen. Dort lag im letzten Jahr der Zubau an Batteriespeichern bei 190 GWh. Zum Vergleich: Deutschland installierte 2025 gerade ‚mal 6,6 GWh an Batteriespeichern.
Fazit:
Die Stromerzeugung mit der Sonne ist weltweit zu einem riesigen Markt mit gigantischen Wachstumschancen geworden. Der berühmte „Blick über den Zaun“ zeigt der deutschen und europäischen Volkswirtschaft, wo die Chancen für die Arbeitsplätze der Zukunft und eine resiliente Energieversorgung liegen.



2 Kommentare
Nicht die installierte Leistung entscheidet, sondern die Stromproduktion. Und die ist davon abhängig wie viele Stunden die Anlagen produzieren. Und da kommen wir in Deutschland nicht auf 1800 sondern nur auf ca. 1000. D. h. von 1 KW PV ernten wir ca. 1 MWh.
Und natürlich brauchen wir Netzausbau. Kostenschätzungen gehen von 600 Mrd. bis zu 1 Billion Euro. Was viel scheint, bei 1000 TWh die wir irgendwann mal über dieses Netz verteilen werden und einer ND von 20 Jahren (eigentlich 40 und mehr), errechnen sich jedoch nur 5 ct/KWh. Das scheint „erträglich“.
Viel teurer wird die Glättung der Lieferkurven, die der nicht gegebenen Steuerbarkeit geschuldet ist. Diese errechnet sich schnell auf Beträge von 50 und mehr ct.
Die Zahl der Sonnenscheinstunden soll einfach und plakativ zeigen, dass wir in D zu 80% der Zeit keinen oder nur sehr wenig Strom von der Sonne ernten können. Wir brauchen Speicher. In der jetzt beginnenden Winterzeit bleibt auch kein Sonnenstrom übrig, um die Speicher wieder aufzuladen. Da brauchen wir die Stromerzeugung aus Erdgas heute und Wasserstoff künftig. Die Zahl der Volllaststunden, die sie nennen, ist ein rechnerischer Wert, den die meisten Zeitgenossen nicht einordnen können.
Zum Netzausbau: Bislang konnte nur niemand erklären, warum wir den in den genannten Größenordnungen brauchen.
Dazu einige Fakten: Der Stromverbrauch im öffentlichen Netz ist in den letzten 10 Jahren kontinuierlich gesunken. Ein wesentlich Grund ist der deutlich gestiegenen Eigenverbrauch von Solarstrom. Das bestehend Netz hat also noch viel Luft nach oben. Wenn wir zu viel Sonnen- oder Windstrom haben, ist die Schlüsselfrage, wer ihn denn überhaupt brauchen kann. Über Speicher lässt sich das Thema sehr einfach lösen.
Für die saisonale Speicherung ist Wasserstoff die Lösung. Das Gasnetz wird aktuell in ganz Europa auf Wasserstoff umgestellt. Damit erübrigt sich der viel zu teure Ausbau des Stromnetzes.