Sonnenschein im Lauf der Jahreszeiten

Die vier Jahreszeiten prägen unser Leben und ermöglichen fruchtbare Böden, gute Ernten und ausreichend Wasser. Im Winter kommt die Natur mit kurzen, oft trüben Tagen zur Ruhe. Manchmal gibt es auch noch Schnee, der dann unsere Solaranlagen vorübergehend in den Winterschlaf versetzt.

Nachdem nicht mehr der Weihnachtsmann die Pakete mit dem Schlitten liefert, sondern UPS und DHL per Flugzeug und Lkw, stellt sich die berechtigte Frage nach der Herkunft der Energie für unsere Bedürfnisse in der Mobilität und dem Gütertransport:

Nur mit heimischen Sonnenstrom klappt das in Deutschland nicht so gut.

Vor einigen Tagen erhielt ich von Arno A. Evers, einem langjährigen Wegbegleiter, der bereits im Jahr 1995 den Gemeinschaftsstand Wasserstoff und Brennstoffzellen auf der Hannover-Messe gegründet hatte (siehe link. ) Arno ist mit seinem Team weiter aktiv und hat eine eindrucksvollen Sammlung an Grafiken zur Sonnenenergie geschaffen. Die Grafik unten zeigt die Sonneneinstrahlung für Europa im Sommer und im Winter, in dem sie sich auf etwa ein Viertel reduziert (grün und blau = wenig Sonne, gelb und rot = viel Sonne).

Was das für die Stromerzeugung in einer typischen Winterwoche in Deutschland bedeutet, zeigt eindrucksvoll die folgende Grafik der Energy-Charts (Fraunhofer ISE). Die Sonne macht sich rar und der Wind ließ sich an mehr als drei Tagen nicht blicken. Es herrschte Hochdruckwetterlage, die manchmal auch zwei Wochen anhalten kann. Die Folge:
In der letzten Woche waren in Folge für etwa 80 Stunden alle vorhandenen Gaskraftwerke im vollen Einsatz (33 Gigawatt). Dazu kamen noch etwa 20 Gigawatt an Strom aus Kohlekraftwerken. Das waren in Summe etwa 4.000 Gigawattstunden (GWh) Strom. Um sich die Größenordnung bewußt zu machen: Heute haben wir in Deutschland etwa 23 GWh Kapazität an Batteriespeichern und knapp 40 GWh Kapazität an Pumpspeicherkraftwerken installiert.

Jetzt kommt noch eine kleine Abschätzung für die nahe Zukunft: Wenn in der Nacht eine Million E-Fahrzeuge (aktuell sind zwei Millionen E-Auto, E-Busse, E-Lkw zugelassen) gleichzeitig mit je 20 kW die Batterie aufladen, dann steigt der Strombedarf um 20 GW. Wenn wir dann noch zwei Millionen Wärmepumpen (heute sind 1,7 Millionen installiert)  mit je 10 kW gleichzeitig im Einsatz haben, dann sind das nochmals 20 GW Strom. Zusammen wären das dann 40 GW, die zu den heutigen 55 GW in der Nacht dazu kommen. Die Bundesregierung plant aber nur mit 10 GW zusätzlichen Gaskraftwerken, und das ist vielen Leuten schon zu viel. Damit bleibt auch die CO2-Emission hoch und es wird bald eng mit der Stromversorgung zu dieser Jahreszeit.

Was ist dann die Lösung?

Die Grafik unten, ebenfalls von Arno Ewers, zeigt die weltweite Sonneneinstrahlung. Die rot gefärbten Regionen haben etwa dreimal so viel Sonne zur Verfügung wie wir in Mitteleuropa. Dort, in den riesigen Wüsten, leben aber fast keine Menschen, außer einigen sonnenhungrigen Deutschen, die für zwei Wochen dem heimischen Winter entfliehen wollen.

In Summe könnte man in diesen Sonnengürteln ein Vielfaches des heutigen, weltweiten Energiebedarfs als Sonnenstrom ernten. Auf der arabischen Halbinsel und in der Mongolei ensteht gerade eine Solarfeld nach dem andern mit vielen Gigawatt an Leistung. Der Strom wird dort für etwa 1 Cent/kWh produziert. Dieser wird dann in Wasserstoff und E-Fuel umgewandelt und in die energiehungrigen Regionen transportiert.

 

 

Heute importiert Deutschland 70 Prozent seines Energiebedarfes in Form von Erdgas, Erdöl und Kohle. Wir sollten viel mehr darüber nachdenken, wie wir künftig auch CO2-freie Energie importieren können und die Produktion von energieintensiven Produkten in die Länder mit Überschuss-Energie verlagern können.

Das sind die wirklichen großen Chancen!

 

 

Grafiken: Arno Ewers, alle Rechte vorbehalten;

Arno ist immer noch mit seinem Team aktiv und macht inzwischen mit seinen Sunny Houses on Samal Island in den Philippinen seinen Lebenstraum wahr:
https://www.sunnyhousessamalisland.com/

 

 

 

 

 

Blogbeitrag teilen

2 Antworten

  1. Ihre Überlegung: Wir sollten viel mehr darüber nachdenken wie wir … die Produktion von energieintensiven Produkten in die Länder mit Überschuss-Energie verlagern können; ist naheliegend, aber auch nicht neu. Vor etwa 15 Jahren gab es das Projekt Desertec, welches gleich überzeugend schien, sich aber nicht durchgesetzt hat. Warum? Hat sich inzwischen etwas an den Randbedingungen geändert? Wäre der Transport der Energie wirklich einfacher?

    1. Desertec gibt es als Stiftung immer noch – siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Desertec.
      Der Plan ist, Strom in Nordafrika zu erzeugen und nach Europa zu leiten. Nachdem Nordafrika in der gleichen Zeitzone wie Europa liegt, braucht man Energiespeicher wie Wasserstoff, der dann per Pipeline nach Europa transportiert wird.
      Mit energieintensiven Produkten meinte ich z.B. grünen Rohstahl in Australien oder grünen Kunstdüngern in der Sahara zu produzieren. Beides ist sehr einfach per Schiff zu transportieren.

Schreiben Sie einen Kommentar zu Werner Tillmetz Antwort abbrechen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Das könnte Sie auch interessieren ...