Diesem Satz von Benjamin Franklin dürften derzeit viele zustimmen. Die zahlreichen Meldungen angesichts der tropischen Hitze und des niedrigen, rekordverdächtigen Wasserstandes rund um den Bodensee zeigen überdeutlich, dass der Abstand zwischen „Klimawandel“ und „Klimakatastrophe“ immer kleiner wird.
Auch die Auswirkungen und Zahlen, die Werner Tillmetz in seinem Beitrag allein zu den horrenden Wasserentnahmen aus dem Grundwasser für Getränkefabriken nennt, lassen erahnen, was dabei oftmals an (kommunal-)politischer Verantwortung schiefläuft. Und wie selbstverständlich wir es hinnehmen, wenn Firmen wie Red Bull, Coca Cola oder Adelholzener die Grundsubstanz ihrer Produkte – nämlich Wasser – zu einem Spottpreis erwerben. Sehr lange hat Bayern – als vorletztes Bundesland – gebraucht, um für große Mengen Grundwasser, die industriell eingesetzt werden, den sogenannten „Wassercent“ zu erheben: 10 Cent beträgt ab dem 1.Juli 2026 der Kubikmeter Grundwasser für alle Firmen, die jährlich mehr als 5.000 Kubikmeter entnehmen. Zum Vergleich: Haushalte zahlen etwa 2,50 € – das 25-Fache – für ihr Trinkwasser!
Anders schaut es bei den bayerischen Seen und Flüssen – den sog. Oberflächengewässern – aus, die vor allem für die Landwirtschaft, die Industrie oder die Energiewirtschaft eine wichtige Rolle spielen. Auch hier am Bodensee wächst bei vielen die Sorge, weil er weder durch ausbleibendes Gletscherwasser noch durch längere Regenphasen mit mehr Wasser rechnen kann: Mehr als einen Meter liegt der Pegel aktuell unter dem historischen Mittelwert.
Sowohl die Folgen der „Plünderung“ des Grundwassers als auch das Niedrigwasser des Sees und dessen Zuflüsse stehen in Zusammenhang mit dem voranschreitenden Klimawandel, den kaum jemand bestreitet.
Gleichwohl lässt sich in einem persönlichen Beispiel erst die eigentliche Dimension der Folgen des Wassermangels erahnen:
Unser Haus steht nur wenige Meter entfernt vom Bodensee. Jeden Morgen gehe ich bei gutem Wetter zweimal dorthin, ausgerüstet mit jeweils zwei Gießkannen, um damit die Pflanzen und Sträucher zu gießen, die um unser Haus wachsen. Etwa fünf Kubikmeter Wasser kommen dabei jährlich zusammen, die ich dem See entnehme.
Einmal hat mich eine Dame darauf angesprochen und mir vorgeworfen, dass ich keine Rücksicht auf die allgemeine Wasserknappheit nehme. Ich habe ihr geantwortet, dass ich ihre Sorge zwar verstehe, allerdings gerne wissen wollte, was sie denn z.B. gegen die Praktiken von Red Bull einwenden würde, die ganz in der Nähe pro Jahr zwei Million Kubikmeter Wasser entnimmt, und zwar das noch viel wertvollere und bedrohte Grundwasser. Eine Antwort habe ich bis heute nicht erhalten.
Ich habe aber nachgerechnet: Um es bei meiner jährlichen Wasserentnahme von 5 Kubikmeter aus dem Bodensee zu belassen – wie lange bräuchte ich, um auf die 2 Million Kubikmeter zu kommen, die Red Bull pro Jahr entnimmt? Ergebnis: 400.000 Jahre. Die Wissenschaft ist sich allerdings gar nicht so sicher, ob der Bodensee bis dahin schon ausgetrocknet ist – ganz ohne mein Zutun.


