Zum Beispiel in Lindau: Derzeit gibt es 216 Personen, von denen viele seit über 10 Jahren darauf hoffen, einen der 280 Liegeplätze am sog. „Kleinen See“ des Bodensees zugeteilt zu bekommen, wo überwiegend Motorboote auf ihren Einsatz warten. Kein Wunder, dass immer häufiger erst die Nachkommen dieser Personen in den Genuss eines der begehrten Liegeplätze kommen, weil dessen Weitergabe innerhalb einer Familie möglich ist. Meist ist deshalb der Antrag dafür ehemals von Leuten gestellt worden, die mittlerweile längst in Rente sind. Und niemand weiß, ob sich deren Interessen und Vorlieben mittlerweile ganz anderen Dingen zugewandt haben.
Vielleicht aber auch deswegen, weil ihnen klar geworden ist, dass 2035 – also in lediglich 9 Jahren! – Lindau beschlossen hat, klimaneutral zu sein. Da passen zumindest PS-starke, laute und Diesel-hungrige „Sportboote“ schließlich gar nicht mehr zu diesem ehrgeizigen Beschluss. Außer die Stadt orientiert sich dann an Herrn Söder und der Bayerischen Staatskanzlei, die ihr selbst verordnetes Klimaziel für 2040 kurzerhand verschoben hat und jetzt plötzlich erst 2045 klimaneutral sein will (noch 2023 klang es im Koalitionsvertrag von CSU und Freie Wähler so: „An unserem Ziel Klimaneutralität bis 2040 halten wir fest.“

Apropos Bayerische Staatskanzlei: Sie hat unser e2connect-Team unter der Leitung von Prof. Dr. Werner Tillmetz vor drei Jahren beauftragt, eine Machbarkeitsstudie zum Thema „Klimaneutrale Schifffahrt auf dem Bodensee“ zu erstellen, die wir dort im Dezember 2023 an die Verantwortlichen, u.a. auch die IBK-Vertreter aller Anrainerstaaten, übergeben haben. Zum Thema Motorboote lautete unsere damalige Empfehlung, die zustimmend zur Kenntnis genommen wurde:
„Zügige Einführung einer leistungs- und emissionsabhängigen Gebühr für die Nutzung des Bodensees. Soweit möglich könnten die Gebühren für Liegeplätze ebenfalls leistungs- und emissionsabhängig sein. Die Einnahmen sollen gezielt für Fördermaßnahmen zur Erreichung der Klimaneutralität eingesetzt werden. Die Vergabe von Liegeplätzen an Yachten, die eine bestimmte Größe überschreiten, sollte beendet werden.“
Doch für solche Maßnahmen sind aktuell zumindest in Lindau neben den Abmessungen weder das Alter, der Zustand noch die Nutzungshäufigkeit (bei Motorbooten die Betriebsstunden) oder die Emissionen des Antriebs und deren Lärmentwicklung ein Kriterium. Interessant, dass die Stadt selbst keine Tankstelle für Boote hat. Zum Tanken muss man schon zur Meichle-Werft nach Kressbronn düsen. Dort gibt es statt fossilen Diesel jetzt nur das noch teurere HVO.
Für uns in Lindau dürfte aber die eigentliche Frage immer dringlicher werden: Wie gehen wir bis 2035 mit der viel beschworenen Klimaneutralität und dem Umweltschutz (Lärm, Abgase, etc.) um? Wie auch immer: Letztlich müssten die Maßnahmen, die dafür ergriffen werden, auch für alle Schiffe gelten, die im Hafen liegen oder von Besuchern angesteuert werden. In diesem Punkt dürften dann manche Kritiker und Zweifel laut werden…
Die nächste Frage: Wann könnte die Insel insgesamt frei von Verbrennern werden – und damit auch die PKW-Zufahrt für touristische Besucher erschwert werden?
Bild: Uta Weik


