Ein Konzert, Kaffee und Käsekuchen

Die letzten Takte des Klavierkonzerts schweben über den See.

Für einen Moment bleibt es still. Dann brandet Applaus auf. Die Musiker verbeugen sich, einige Besucher stehen auf, andere bleiben noch sitzen und genießen die Aussicht.
Auch wir haben es nicht eilig.

Der Bodensee glitzert in der Nachmittagssonne. Fähren, Segelboote und kleine Elektroboote ziehen nahezu lautlos ihre Bahnen über das Wasser. Etwas weiter draußen entdecke ich zwei Menschen auf ihren Wasser-Pedelecs. Fast schwerelos gleiten sie über den See.

Mein Mann folgt meinem Blick.
„Ach, wäre ich zwanzig Jahre jünger“, seufzt er.
Ich muss lachen.

Wir bleiben noch eine Weile sitzen und lassen den Nachmittag wirken. Musik, Wasser und die Berge am Horizont. Viel mehr braucht es manchmal nicht.

An der Uferpromenade finden wir einen freien Tisch vor unserem Lieblingscafé. Kaffee und Käsekuchen gehören für uns inzwischen fast genauso zu einem Konzertbesuch wie die Musik selbst.
Rund um uns herrscht reges Leben. Spaziergänger schlendern am See entlang, Radfahrer ziehen vorbei, auf den Bänken sitzen Menschen und genießen die Sonne.

Mein Mann hebt die Kaffeetasse und prostet mir zu. „Auf 50 Jahre“
Ich lächle und stoße mit ihm an. 7. Juli 2045. Für unseren Goldenen Hochzeitstag hätten wir uns keinen schöneren Ort aussuchen können.

Nach einer Weile werfe ich einen Blick auf meine Uhr. „Wir sollten langsam los.“
Mein Mann nickt und bestellt noch einen Espresso.

Währenddessen rufe ich unseren Shuttle. Die Bestätigung erscheint wenige Sekunden später auf meiner Uhr. Abholung in acht Minuten, direkt an der Promenade.
Genug Zeit für den letzten Schluck Kaffee und einen Blick auf den See. Als wir das Café verlassen, wartet das Fahrzeug bereits am vereinbarten Haltepunkt.
Es schnurrt leise vor sich hin. Kein Motorengeräusch, keine Abgase, kein Lärm. Nur ein kurzer freundlicher Gruß des Bordassistenten und die Tür öffnet sich.

Wenige Minuten später steigen wir direkt vor dem Bahnhof aus.

Auf dem Bahnhofsvorplatz herrscht reges Treiben. Menschen kommen und gehen, Shuttle halten kurz an und fahren wieder weiter. Trotzdem ist alles erstaunlich ruhig.
Aus den Bäumen entlang der Allee ist Vogelgezwitscher zu hören. Als wir den Bahnsteig erreichen, rollt unser Zug gerade ein. Fast lautlos gleitet er an den Bahnsteig.
Die Verbindungen rund um den See sind inzwischen so gut aufeinander abgestimmt, dass es keine lange Wartezeiten mehr gibt.
Leise öffnen sich die Türen.
Wir suchen uns einen Platz am Fenster.

Während sich der Zug in Bewegung setzt, schweift mein Blick noch einmal über den See.
Auf den Dächern entlang des Ufers glitzern Solarmodule in der Nachmittagssonne. Sie gehören inzwischen genauso selbstverständlich zum Bild des Bodensees wie die Segelboote auf dem Wasser.
Als der Zug Fahrt aufnimmt, fällt mir auf, wie leise die Region geworden ist. Auf dem See, auf den Straßen und auf der Schiene. Langsam bleibt der See hinter uns zurück.

Mein Mann lehnt sich entspannt zurück. „Ein schöner Tag“, sagt er.

Ich lächle und schaue hinaus auf die vorbeiziehende Landschaft.

Ja. Ein wirklich schöner Tag.

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