SAF – Erneuerbarer Flugkraftstoff

Die Energiewende beruht auf mehreren Lösungen. Einige sagen – stark vereinfacht -, dass alles elektrisch wird. Und damit haben sie erst einmal sogar recht.

Wegen unterschiedlichen physikalischen Notwendigkeiten kann aber leider nicht alles direkt mit Strom aus Sonne, Wind und Wasserkraft betrieben werden. Es braucht zusätzlich unterschiedliche Wege zur Speicherung und auch zur Verteilung der erneuerbaren Energie.

Grob gesagt kann ein Drittel der Energie direkt als erneuerbarer Strom bereitgestellt werden. Ein weiteres Drittel wird aus grünem Wasserstoff und dessen gasförmigen Derivaten kommen. Das restliche Drittel wird über flüssige Wasserstoff Derivate wie eMethanol und dessen weiterverarbeitete Energieträger wie eBenzin, eDiesel und eKerosin bereitgestellt werden.

Wenn wir auf die erneuerbaren flüssigen Energieträger schauen, dann wächst schon jetzt der Bedarf an grünem Methanol als direkter Kraftstoff für die Schifffahrt und als Grundstoff zur Herstellung von erneuerbarem Kerosin für die Luftfahrt. Es gibt heute dafür mehrere Vorhaben in der EU, da dem Flugkraftstoff schon dieses Jahr zwei Prozent Sustainable Aviation Fuel (SAF) beigemischt werden müssen.

Diese Menge hört sich erst einmal sehr gering an, ist aber bei 10 Milliarden Litern, die alleine die deutschen Luftlinien im Jahr 2023 verbraucht haben, schon heute sehr viel. Die globale Luftfahrt Industrie hat im Jahr 2023 insgesamt ca. 350 Milliarden Liter Kerosin verbraucht.

Die vorgeschriebenen Beimischungsquoten wachsen bis 2050 kontinuierlich auf 70 % an.

Nach einer anfänglichen Euphorie kommt der Bau von SAF Anlagen jedoch gerade ins Stocken. Die Kosten liegen höher als erwartet, die Zinsen zur Finanzierung der Projekte sind stark angestiegen, und es fehlen immer noch die notwendigen langfristigen Abnahmegarantien der Airlines.

Es wird also Zeit für den Einsatz neuer Technologien und kostengünstigen Umsetzungsszenarien. Viele Firmen setzen derzeit noch auf Bio SAF, obwohl die Verfügbarkeit der biologischen Rohstoffe heute und auch in der Zukunft recht begrenzt ist. Die IEA schätzt, dass langfristig lediglich acht Prozent der notwendigen flüssigen erneuerbaren Kraftstoffe aus biologischen Grundstoffen hergestellt werden können. Der Großteil muss deshalb zwangsläufig aus großtechnischen Anlagen in den sonnen- und windreichen Regionen der Welt kommen, um mit günstigstem Strom flüssige Energieträger zu vertretbaren Kosten herstellen zu können.

Anstatt diese sinnvollen Projekte mit aller Kraft anzugehen, rudern die etablierten Energiekonzerne und damit auch die mit ihnen gut befreundeten Politiker gerade lieber wieder zurück und wollen die gültigen Regeln mit viel öffentlichem TamTam aufweichen und stattdessen noch länger und noch viel mehr fossile Energieträger verkaufen.

Dies bedeutet aber auch eine großzügige Einladung an neue mutige Firmen, hier zusammen mit klugen Investoren den Markt für sich zu erobern. Dafür steht vor allem die chilenische Firma HIFglobal Projekte in den USA und in Australien. In Kombination mit den neuen Technologien der Firma OBRIST aus Lindau würde eMethanol als Energieträger und Basis für alle weiteren Kraftstoffe erstmals schon heute bezahlbar und ermöglichte damit den großflächigen Marktdurchbruch für voll synthetisches SAF.

Es gibt also wirklich keinen Grund für die Politik, die guten Regeln aufzuweichen. Im Gegenteil: die heute gültigen Regeln sind zusammen mit der kontinuierlich anwachsenden CO2 Bepreisung ein sinnvoller Antrieb für alle Beteiligten zur beschleunigten Realisierung der Energiewende.

 

Titelbild: Rocker Sta @ unsplash.com

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