Batteriewechselstationen: Die verpasste Chance!

Vor kurzem hatte ich über den Boom bei E-Lkw in China und damit verbunden auch die Batteriewechselstationen informiert. Ein aktueller Bericht verrät nun, dass 95 Prozent dieser Lkw die leere Batterie an einer Wechselstation gegen eine volle tauschen können. Das dauert nur fünf Minuten!

Die Batterien und die Batteriewechselstationen stammen von CATL, dem weltweit größten Hersteller von Batterien aus China. Inzwischen hat CATL mehr als 1.000 dieser Stationen für Pkw und 300 für Lkw in Betrieb. Ende diesen Jahres werden es 2.500 sein, langfristig sind 30.000 geplant. In einer Station sind zwischen 14 und 30 Batterien gelagert. Für Pkw haben die Batterien eine Kapazität von 42 kWh bzw. 56 kWh. Für Lkw 171 kWh. Bei Lkws können bis zu drei dieser Batterieblöcke getauscht werden.

Was bedeutet das alles?

Wenn ich die Batterie in wenigen Minuten tauschen kann, spielt das Thema Reichweite eine untergeordnete Rolle und die im Fahrzeug installierten Batteriekapazitäten können reduziert werden. Damit werden die Fahrzeuge billiger. Die leeren Batterien können in der Station in aller Ruhe wieder aufgeladen werden. Das extrem teure Megawatt-Laden, um die Lkw-Batterie in 45 Minuten wieder aufzuladen, kann entfallen. Das Gleiche gilt für den ebenfalls sehr teuren Netzausbau und die Bereitstellung von sehr hohen Leistungen aus Spitzenlastkraftwerken. Unglaublich, wie viel Geld man mit Wechselbatterien sparen könnte.
Auch das bei uns so heiß diskutierte bidirektionale Laden (Vehicle to Grid-Technologie) wird überflüssig. Die Batterien in der Wechselstation erledigen das deutlich besser und einfacher. Wenn beispielsweise jede Wechselstation zwei Megawattstunden an  Batterien netzdienlich und kostengünstig laden und bei Bedarf auch Strom ins Netz liefern kann, wird das zu einem attraktiven zusätzlichen Geschäft. 1.000 Stationen könnten dann zwei Gigawattstunden (GWh), 30.000 Stationen 60 GWh an Speicherkapazität zur Verfügung stellen. Das ist richtig viel!

Und warum ist das in Deutschland kein Thema?

Vor mehr als 15 Jahren hatte Shai Agassi, davor SAP Vorstand, die Firma Better Place gegründet, um genau das zu tun, was CATL jetzt erfolgreich umsetzt. Damals hatte ihm die traditionelle Fahrzeugindustrie die kalte Schulter gezeigt und Better Place musste in die Insolvenz gehen. Einige Jahre später hat die chinesische Firma NIO das Thema wieder aufgegriffen und derzeit 3.000 Wechelstationen in Betrieb. Mit seiner unglaublichen Stärke im Bereich der Batteriefertigung wird das Thema jetzt zunehmend von der Firma CATL ausgebaut. Europa hat bislang keine nennenswerten Fertigungskapazitäten für Batterien und jeder Fahrzeughersteller kocht nach wie vor sein eigenes Süppchen.

In China werden Kosten für das elektrische Fahren mit Wechselbatterien von 1,4 USCent pro Kilometer genannt. Das entspricht gerade mal etwas mehr als einem Euro pro 100 Kilometer!

Zum Glück setzen sich bei uns Schnellladesäulen, die mit netzdienlichen Batteriespeichern gekoppelt sind, immer mehr durch. Diese ermöglichen ebenfalls Kosteneinsparungen beim Netzausbau und reduzierte Kosten für den Ladestrom durch die parallele Teilnahme am Stromhandel.

Bildquelle: CATL

Blogbeitrag teilen

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Das könnte Sie auch interessieren ...

Energiereich

Über die Osterferien wurden Viele mit Energie reich, sehr reich. Das waren diejenigen die mit Öl- und Erdgas handeln und noch einfacher mit den dazu

Weiterlesen »

Hohe Benzinpreise tun gut

Man konnte es nicht voraussehen, dass unser nur mäßig begabter Präsident der USA mit seinen Taten so erfolgreich die Preise für fossile Energien in die

Weiterlesen »