Eine Fußball-Weltmeisterschaft – selbst wenn Sie fernab der Heimat stattfindet – ist für Bier-Brauereien gerade auch in unserem Land meist eine besonders umsatzstarke Zeit. Und damit auch für die zahlreichen Lokale oder Public-Viewing-Anbieter, die ein gemeinsames Fußball-Erlebnis ermöglichen.
Aktuelles Beispiel aus Lindau: Noch eine halbe Stunde vor dem abendlichen Spiel, das die Schweiz gestern gegen Bosnien-Herzegowina 4:1 gewonnen hat, stapelten sich im benachbarten Lokal die leeren Bierfässer und Bierkisten, die zur Abholung bereitstanden, und die dann dringend durch entsprechenden Nachschub ersetzt werden sollten. Der Bedarf an diesen heißen Tagen scheint also recht hoch zu sein – und entsprechend lang die Arbeitszeit von Getränkemärkten.
Und damit nähern wir uns dem eigentlichen Thema: Denn endlich kam dann der ziemlich alte Kastenwagen des Bierlieferanten in Sicht, der beides erledigen wird – und diese „Annäherung“ des alten Dieseltransporters hörte man ziemlich gut. Und als er wieder abfuhr, roch man das auch.
Womit wir jetzt bei der bayerischen Staatsbrauerei Weihenstephan wären, die sich dank ihres Gründungsjahres (1040 !) zurecht als älteste Brauerei der Welt bezeichnet. Auch sie beliefert ihre regionalen Kunden direkt mit ihren bisher fünf LKWs, also z.B. Getränkehändler und die Gastronomie im Umkreis von Freising. Doch nicht zuletzt, um das erwähnte „Lärm- und Geruchsproblem“ samt den hohen CO2-Emissionen zu reduzieren, hat man jetzt mit der Elektrifizierung der LKWs begonnen. Dies freilich ist nur ein Teil des bereits weit vorangeschrittenen Plans, das große Logistikzentrum (entspricht etwa 3 Fußballfeldern) komplett auf eine zeitgemäße Energielösung umzustellen, die den heutigen Anforderungen in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz entspricht. Selbstverständlich inclusive einer bereits bestehenden Photovoltaik-Anlage, längst eingesetzter E-Stapler, Wärmepumpen und und eines KI-gestützten Energiemanagement-Systems. Das Unternehmen hofft, dass seine Aktivitäten im Sinne einer vollständigen Dekarbonisierung der Brauerei auch für andere zur Nachahmung inspiriert.
Selbstverständlich darf man trotz allem nicht vergessen: Die Weihenstephan-Brauerei exportiert über 70 Prozent ihrer verschiedenen Biersorten in fast 50 Länder, wo jeweils ein Importeur für die Verteilung sorgt. Daher gehört die erforderliche Logistik zur anderen großen Herausforderung dieser bayerischen Brauerei. Ihr berühmtes Bier wird also nicht nur von den eigenen 5 LKWs in die Region verteilt. Denn den Großteil des Transportes zu den Häfen und damit auf die Weltmeere übernehmen täglich bis zu 40 andere LKW, die möglichst schnell dorthin gelangen müssen. Da können Kriegsgründe (siehe Straße von Hormus) oder Havarien (wie 2021, als viele Schiffe im Suezkanal wegen eines querstehenden Containerschiffes sechst Tage lang fest saßen) eine wichtige Rolle spielen, wenn manche besondere Biersorten plötzlich nicht mehr lieferbar sind.

Da bleibt zu hoffen, dass diese beiden, erst jüngst ausgezeichneten, Sorten nicht dabei waren: Denn beim „World Beer Cup“ wurden in diesem Jahr rund 8200 Bieren von 1644 Brauereien aus 50 Ländern zur Bewertung eingereicht und von 250 Experten bewertet. Gut zu wissen: Pro Kategorie gibt es lediglich eine Gold-, Silber- und Bronzemedaille.
Beitragsbild: alexas fotos (pixabay)


