… und worüber niemand redet.
Fast jeden Tag werden wir mit euphorischen Schlagzeilen zur erfolgreichen Energiewende befeuert. Neue Rekorde beim Ausbau der Sonnenenergie oder dem Anteil der Erneuerbaren an der Stromversorgung gehören schon fast zum Alltag. Nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit sind die Fortschritte bemerkenswert.
So hat die Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) in ihrem aktuellen Bericht für 2025 aufgezeigt, dass erneuerbare Energien weltweit die günstigste Option für neue Stromerzeugungsanlagen bleiben. Gleichzeitig verdeutlicht der Bericht ihre wachsende Bedeutung für Energiesicherheit, wirtschaftliche Stabilität und Resilienz. Insgesamt trugen die installierten Erneuerbaren Energien dazu bei, im Jahr 2025 geschätzte 480 Milliarden US-Dollar an Kosten für fossile Brennstoffe zu vermeiden.
Das sind schon imponierende Zahlen, die aber auch zeigen, wie gigantisch das weltweite Geschäft mit den fossilen Energien ist. Der Anteil der Erneuerbaren Energien an der weltweiten Energieversorgung liegt heute bei etwa 14 Prozent. Mehr als 80 Prozent des Primärenergiebedarfes liegen nach wie vor bei den fossilen Energien. Wenn 480 Milliarden 14 Prozent entsprechen, dann bedeutet das für die fossilen Kraft- und Brennstoffe einen Markt im Wert von fast 3.000 Milliarden US-Dollar – jedes Jahr!
Worüber aber niemand bei der Energiewende und Klimabilanz für Deutschland redet:
Der Anteil der fossilen Energien bei der gesamten Energieversorgung liegt bei etwa 77 Prozent. Die Grafik im Titelbild zeigt sehr deutlich, dass es beim Mineralöl und beim Erdgas in den letzten 10 Jahren auch kaum eine Veränderung gab. Nur bei der Kohle ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Spannend wird es, den Anteil von Sonnen- und Windenergie am Primärenergieverbrauch zu betrachten: Der ist noch sehr, sehr gering (schwarzer Kreis im Diagramm). Sonne und Wind müssen aber einmal zu den dominanten Energiequellen einer erfolgreichen Energiewende werden.
Mit dem immer noch konstant sehr hohen Verbrauch an Erdöl und Erdgas einher gehen auch die nach wie vor hohen CO2-Emissionen. Macht man sich bewußt, dass Erdöl und Erdgas, wie auch die Steinkohle, komplett importiert werden, dann wird deutlich, dass künftig auch grüne Energie importiert werden muss. Experten gehen von etwa zwei Drittel des Energiebedarfs aus. Das wird noch ein sehr langer und mühsamer Weg, ganz anders, wie es die euphorischen Schlagzeilen zum Ausbau der Erneuerbaren Energien vermuten lassen.
Um den Bürgerinnen und Bürgern wie auch den Politikern die Herausforderungen bewußt und keine falschen Hoffnungen zu machen, wäre es sehr hilfreich, den Anteil der Erneuerbaren Energien am Primärenergiebedarf zu kommunizieren und nicht am Strombedarf.
Noch besser:
Die Reduktion beim Verbrauch von Erdgas und Erdöl sichtbar zu machen.
Die ist entscheidend für die Klimabilanz.


