Die Hitze macht den Strom zur Mangelware

Über ganz Europa hat sich eine Hochdruckwetterlage festgesetzt, die uns allen zu schaffen macht. Tagsüber gibt es Sonnenschein und damit Sonnenstrom im Überfluss. Damit könnte man alle Wohnungen und Bürogebäude über eine Klimanalage auf frostige 10°C herunter kühlen. Ab etwa 18 Uhr, wenn die Sonne beginnt, mehr von der Seite als von oben zu scheinen, lässt die Produktion von Sonnenstrom nach: Jetzt schießen die Preise an der Strombörse in Leipzig nach oben.

Woran liegt das?

Einerseits ist der Stromverbrauch durch die vielen Klimaanlagen in ganz Europa sehr hoch – auch am Abend und in der Nacht.

Andererseits  gibt es aufgrund der Wetterlage kaum Strom aus Windkraftanlagen. In ganz Europa sind 200 Gigawatt (GW) an Windkraftanlagen auf Land installiert. Mangels Wind liefern die nur etwa 30 GW an Strom. Auch den Windmühlen auf dem Meer geht es nicht viel besser: 21 GW sind installiert, liefern tun sie aber nur etwa 4 GW. Das sind so ganz andere Fakten, als uns viele renommierte Institute ständig erzählen.

Das Nächste sind die Atomkraftwerke, die sehr viel Kühlwasser aus den Flüssen benötigen. Der Wirkungsgrad eines Atomkraftwerkes liegt bei etwa 35 Prozent. Das heißt: Das Doppelte der erzeugten elektrischen Energie wird als Wärmeenergie in die Umwelt abgegeben. Nachdem auch das Flusswasser aufgrund der Hitzewelle zu warm geworden ist, müssen die Reaktoren herunter gefahren werden. Das schafft besonders den Franzosen sehr viel Probleme. Mit rund 40 GW verfügen sie über zwei Drittel der Europäischen Atomkraftwerksleistung.

Bei den Laufwasserkraftwerken sorgt aktuell noch das Schmelzwasser aus den Alpen für eine stabile Stromversorgung. Mit dem Verschwinden der Gletscher und anhaltenden Trockenperioden sind allerdings auch hier Engpässe bei der Stromerzeugung zu erwarten.

Die Grafik (Energy Charts) unten zeigt die Stromversorgung für ganz Europa in dieser Woche. Erdgas (hellbraune Flächen), das geopolitisch als sehr kritisch eingestuft wird, hilft uns die Stromversorgung nach Sonnnenuntergang stabil und die Klimaanlagen am Laufen zu halten. Wenn wir dann aber auch noch alle elektrisch fahren wollen, dann wird es erst so richtig herausfordernd – wer bekommt den Strom, wenn zu wenig da ist?

Titelbild: Petra Boeger, KI-generiert

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