Silvester 2045 – ein turbulentes Jahr geht zu Ende

Über den Wolken genießen wir den letzten, sehr milden Winter-Nachmittag des Jahres. Wie schon seit Jahrtausenden und ganz regelmäßig um diese Jahreszeit entsteht direkt über dem warmen Wasser im Rheintal und Bodensee eine dichte Nebelschicht und verhüllt das Leben darunter. Zeit, um das Jahr 2045 und die letzten Jahrzehnte Revue passieren zu lassen.

In der ohnehin sehr hektischen Hauptstadt Berlin ging es dieses Jahr besonders turbulent zu. Die Opposition attackierte die aktuelle Regierung wegen der Nichteinhaltung des in der Verfassung verankerten Zieles der Klimaneutralität 2045. Dabei lief es die letzen Jahre gar nicht so schlecht. Vor 20 Jahren lagen wir noch recht stabil bei etwa 80 Prozent fossilen Energien für Strom, Wärme, Verkehr und Industrie. Heute sind wir bereits unter die 20-Prozent-Marke gerutscht, so dass wir die langjährigen Ziele der EU für 2050 sicherlich erreichen werden.

Inzwischen spielen die Regierungen in Brüssel, Berlin, Wien und Bern für die Kommunen, Landkreise und Kantone der Bodensee-Region nur noch eine begrenzte Rolle. Zwei Dinge waren dafür verantwortlich.

Die stark regionalisierte Energieversorgung ermöglicht im Sommerhalbjahr eine weitestgehende Autarkie. Bürgerschaft, Kommunen, Landwirte und Unternehmer hatten zunehmend in Photovoltaik, Batteriespeicher und regionale Wasserstoffsysteme investiert. Sie versorgten sich gegenseitig mit grünem Strom, Wasserstoff und Biomethan. Aufgrund der sehr stark gefallenen Preise für Batterien und Elektrolyseure war das auch noch sehr viel kostengünstiger als die Stromerzeugung in großen Kraftwerken und der Transport über weite Strecken.

In den Wintermonaten mit den langen, kalten Nächten und nebligen Tagen war es aber unmöglich, den Energiebedarf für das Heizen und den Verkehr regional bereit zu stellen. Mit der Umstellung der Erdgasleitungen auf grünen Wasserstoff Mitte der 2030er Jahre begann der große Umbruch. Kurz nacheinander wurden die Pipelines von Ingolstadt nach Lindau, die über das Rheintal  aus Italien an den Bodensee und die von Frankreich nach Konstanz in Betrieb genommen. Seit einiger Zeit können alle Verbraucher der Bodenseeregion mit grünem Wasserstoff, der in Algerien, Marokko oder Spanien kostengünstig erzeugt wird, versorgt werden. Wie bei Erdgas dient der Wasserstoff zum Heizen und für die Stromerzeugung. Auch der Verkehrssektor profitiert in vielen Bereichen von der bedarfsgerechten Verfügbarkeit des CO2-neutralen Energieträgers Wasserstoff.

Auch bei der Versorgung mit E-Benzin und mit E-Diesel wurden große Fortschritte erzielt. Der Anteil fossiler Kraftstoffe wurde die letzten Jahre immer geringer, konnte aber noch nicht komplett ersetzt werden. Der Aufbau der weltweiten Produktionsanlagen beansprucht einfach viel Zeit. Hauptverbraucher des fossilen Sprits sind derzeit noch ältere Fahrzeuge. Alle neu verkauften Fahrzeuge sind schon seit Jahren mit E-Motoren ausgerüstet und werden entweder nur mit Batterie, oder in Kombination mit Wasserstoff oder einem Range Extender mit E-Fuel betrieben.

Die vielleicht schönste Errungenschaft für unsere Urlaubsregion war die Übernahme des deutschen Bahnsystems vom Bodensee bis nach Ulm, Stuttgart und München durch die ÖBB und SBB.  Die Züge sind seitdem komfortabel, pünktlich und fahren viel öfters. Das  ist einfach super attraktiv und nur noch wenige Touristen wollen mit dem Auto in den Urlaub an den See fahren.

Die dritte industrielle Revolution, wie sie vor 30 Jahren von Jeremy Rifkin in seinem Buch „Das Zeitalter der Resilienz“ vorhergesagt wurde, ist Realität geworden.

 

Blogbeitrag teilen

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Das könnte Sie auch interessieren ...