Vor fast fünf Jahren hatten wir erstmals über Agri-PV und die Pläne des Obsthofes Bernhard zur Errichtung einer Pilotanlage in Kressbronn berichtet. In Kooperation mit dem Fraunhofer Institut ISE aus Freiburg und einer Förderung des Landes konnte Hubert Bernhard damals sein Vorhaben umsetzen. Zu dieser Zeit gab es in Deutschland noch viele kritische Stimmen zur Kombination von Obstbau mit der Stromerzeugung mit einer Photovoltaikanlage (PV) über den Bäumen. Gleichzeitig besuchten seitdem 3.000 Interessierte aus der ganzen Welt die Pilotanlage am Bodensee.
Nach den positiven Erfahrungen beschloss die Familie Bernhard vor drei Jahren den nächsten Schritt zu gehen und sich ein zweites wirtschaftliches Standbein aufzubauen. Zu riskant erschien es, in Zeiten des Klimawandels nur auf Obstbau zu setzen. Tochter Sina (im Bild unten neben Hubert Bernhard bei der Einweihungsfeier am 25.10.2026) sollte den Hof übernehmen und bald Projektleiterin für die Errichtung einer 2,4 Megawatt Agri-PV Anlage werden – die europaweit größte auf einer Apfelplantage.

Gemeinsam mit der neu gegründeten Sonntag Energy aus Lindau/B und dem Maschinenring Tettnang ging es in eine intensive Planungsphase. Entscheidend für die finale Umsetzung war die Kombination der Agri-PV mit einem 3,4 Megawattstunden Batteriespeicher, der netzdienlich eingesetzt wird, sowie die Direktvermarktung der PV-Stromes an die benachbarte BayWa Obst über eine eigene Stromleitung. Damit war es möglich das Vorhaben ganz ohne Förderung umzusetzen. Ganz entscheidend für so ein großes Vorhaben: Die Banken waren überzeugt und sicherten die Finanzierung.
Die wichtigsten Daten zur Anlage finden sich auf einem Schaubild inmitten der Anlage, die am 23.10.26 in Betrieb ging.

Beeindruckend bei der Umsetzung des Projektes war die starke regionale Wertschöpfung ( = Arbeitsplätze) – genau das, was wir von e2connect seit Jahren „predigen“! Eigentümer und Betreiber der Anlage ist der Obsthof der Familie. Das Start-Up Sonntag Energy aus Lindau war für die gesamte Projektierung und Koordination verantwortlich und hat sich inzwischen schon sieben weitere Agri-PV-Projekte gesichert. Der Maschinenring Tettnang hat die Anlage gemeinsam mit weiteren Unternehmen (Tiefbau, Elektrik) errichtet. Die Batterie kommt von BattrEnergy AG aus Kraftisried im Allgäu und die kilometerlangen Unterkonstruktion für die Solarmodule (DEMEGC) fertigte die oberschwäbische Firma Zimmermann. Der regionale Energieversorger Regionalwerk sorgt für die Verteilung des grünen Stromes in der Region.
Mein Fazit von der Eröffnungsfeier im vollgefüllten Festzelt:
Da gab es keine langweiligen politischen Sonntagsreden. Die Chefs der direkt am Projekt beteiligten Unternehmen waren voll des Lobes über den gemeinsamen erarbeiten Erfolg und sprühten nur so vor Begeisterung für das Thema – so etwas steckt an, so geht Zukunft!
Aus der Vogelperspektive: Links die traditionellen Hagelschutznetze,
in der Mitte die Pilotanlage und rechts die neue, optimierte Agri-PV.
Titelbild: Projektmanager Johannes Satzinger (Sonntag Energy) vor dem Batteriespeicher und der Agri-PV



Ein Kommentar
super beitrag