Die Welt der Klassik – bald grün und nachhaltig?

Vor einiger Zeit haben wir die hohen CO2-Emissionen ins Visier genommen, die von den vielen Fans der großen Fußballvereine verursacht werden, um zum Spiel ihres jeweiligen Lieblingsvereins zu kommen. Insbesondere dann, wenn diese sogar europa- oder gar weltweit bei großen Spielen antreten müssen – also auf Flugreisen angewiesen sind. Dabei spielt die CO2-Bilanz der jeweiligen Mannschaft, die natürlich ebenfalls dorthin fliegen muss, eigentlich kaum mehr eine Rolle.

In dieser Hinsicht verdienen auch die Tourneen, die von den Großen der Klassikszene oder SpitzenOrchestern wie den Berliner Philharmonikern unternommen werden, einen genaueren Blick auf deren Folgen für die Umwelt. Und das nicht nur, weil die meist rund 80 Orchestermusiker nicht nur einen kleinen Ball mitnehmen müssten, sondern etwa für Pauken, Kontrabässe oder die empfindlichen Harfen sogar eine Extra-Logistik beanspruchen. Allerdings gilt auch hier: Je attraktiver die Künstler, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass die An- und Abreise der „Fans“ hier wie dort meist einen viel größeren Anteil an Emissionen verursacht als der ganze Reiseaufwand für die Künstler/Innen selbst.

Vor dem Hintergrund, dass sich beide Sparten der „Unterhaltungs-Industrie“ immer häufiger über die Folgen ihrer Auftritte für die Umwelt bewußt sind, machen sich Vereine und Veranstalter zunehmend Gedanken darüber, diese zumindest zu reduzieren. Dazu gehören zum Beispiel eine kluge Tour(nee)-Planung, die Künstler*innen nicht kreuz und quer durch das Land schickt bzw. Flugzeuge über den jeweiligen Erdteil. Besucher sollten nach Möglichkeit ÖPNV-Angebote stärkernutzen und die Variante „Zug statt Auto“ mitbedenken.

Ein im wahrsten Sinn des Wortes „klassisches“ Beispiel hierfür ist die Geigerin Lea Brückner, die  sich aktiv für den Klimaschutz auch in der Kultur-Branche einsetzt. Mit ihrer Initiative „Music for our planet“ wirbt sie oft auch bei ihren Musiker-Kollegen*innen dafür, ihre Reisen grüner zu gestalten, und sie macht kräftig Druck, um ihren eigentlichen „Kulturauftrag“ um das Thema „Umweltschutz“ zu  erweitern.

Da denkt man als Fußballfreund, der zahlreiche Spiele natürlich überwiegend auf dem Fernseher, gerne auch in Gesellschaft im benachbarten „Brunnencafe“ anschaut, neu über sein Umweltverhalten nach. Mehr aber noch als Klassik-Liebhaber, der zu Aufführungen z.B. des Sinfonieorchesters Vorarlberg meist ins Festspielhaus nach Bregenz fährt.

Auch wenn sowohl bei Fußballspielen in einem Stadion als auch bei Live-Konzerten nichts über die besondere Atmosphäre und das sogenannte „Gemeinschafts-Erlebnis“ geht, so wissen sowohl meine Frau als auch ich die immer professioneller werdenden TV-Übertragungen hochkarätiger Klassikkonzerte zu schätzen. Hier sticht neben der kostenlosen OperaVision  insbesondere die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker hervor: Per Live-Stream bei rund 50 Konzerten pro Jahr für rund 170 Euro pro Saison dabei zu sein oder sie (bei Abwesenheit) am Sonntagmittag danach erneut in herausragender Ton- und Videoqualität zu genießen, bietet uns meist ein noch intensiveres Konzerterlebnis als der Sitzplatz in einem Saal und in 30 Meter Entfernung zum Orchester. Zumal man durch viele Nahaufnahmen der Instrumentalisten zwischenzeitlich fast alle von ihnen kennt („oh, hast Du gesehen: die hat diesmal eine andere Frisur!“) Gerade auch durch die Vorab-Interviews mit den Dirigenten oder Solisten gewinnt man oft ganz neue Einblicke auf die jeweiligen Werke und deren Interpretation. Selbstverständlich ist für die Übertragung dieser Live-Streams ein ordentlicher Fernseher mit entsprechender Anlage Voraussetzung.

Und wie gesagt: Bei allem Verständnis für die unabdingbare Anwesenheit von Anhängern und Fans aus der Fußball- und auch der Konzertszene, die ja gerade auch für die Künstlerinnen und Künstler am Ball oder ihrem Instrument so wesentlich sind: In Sachen Umweltschutz gibt es bei beiden noch ziemlich viel Luft nach oben.

 

Hier können Sie das ganze Interview der Künstlerin auf BR Klassik hören

 

Beitragsbild: KI-erstellt  – beide andere: privat

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