Die Rolle von Speicherseen für die CO2-freie Stromversorgung

Die Diskussionen zu einer 100 Prozent CO2-freien Stromversorgung in Deutschland laufen auf Hochtouren – es wird immer noch sehr viel „geschwätzt“.  „Wir brauchen Gaskraftwerke“, sagen die einen. „Es geht auch nur mit dem Ausbau von Photovoltaik und Wind“, sagen die anderen und verweisen auf Länder wie Spanien, die da doch auf gutem Weg sind.

Dabei wäre alles ganz einfach. Es braucht keine teuren Studien, nur ein wenig Zeit zum Nachdenken:

In der Nacht gibt es keinen Sonnenstrom – darüber sollten sich alle einig sein. In den Wintermonaten sind die Nächte lang, die Tage kurz und oft regnerisch oder nebelig. Da kann man kaum überschüssigen Sonnenstrom für die Nacht speichern, egal wie viele Solaranlagen installiert sind. Nachdem ganz Europa und auch Afrika in etwa der gleichen Zeitzone liegen, wird es auch mit dem Import von Sonnenstrom in der Nacht schwierig. Der Wind lässt auch gerne mal für längere Zeit auf sich warten. Mit Batterien große Strommengen über lange Zeiträume zu speichern, ist unbezahlbar teuer.

Wie geht es dann?

Länder, die Strom über Wasserkraft aus Speicherseen erzeugen können, haben da einen großen Vorteil: Damit kann man über Tage und Wochen die Stromversorgung sicherstellen. Gibt es dann wieder Wind- und Sonnenstrom, bleibt das Wasser im Speichersee oben. Bei Dunkelheit und Flaute fließt wieder Wasser über die Turbinen und die Stromversorgung bleibt stabil. Achtung: Das hat nichts mit Pumpspeicher-Kraftwerken zu tun. Diese können nur für wenige Stunden Strom speichern – je nachdem wie viel Wasser im Speicherbecken im Tal verfügbar ist.

Jetzt vergleichen wir einmal die verfügbare Kapazität von Strom aus Speicherseen und die notwendige Kapazität für Stromversorgung bei Dunkelflauten. In Deutschland gibt es fast keine Speicherseen und der Bedarf an Strom in der Nacht liegt bei etwa 50 Gigawatt (GW) (siehe Tabelle). Ganz anders sieht es in der Schweiz aus: Da sind die beiden Leistungen etwa gleich groß. Spanien hat ebenfalls sehr viel Strom aus Speicherseen und Norwegen sogar deutlich mehr, als es braucht. Das ist der große Unterschied der Länder, der in den ganzen politischen Diskussionen in Deutschland vergessen wird.

 

Was machen wir dann in Deutschland?

Ein bisschen Strom können wir von den anderen Ländern importieren, wenn deren Bedarf nicht so hoch ist. Das reicht aber nie und nimmer für die 50 GW, die mit Ausbau von E-Mobilität und Wärmepumpen noch größer werden.

Heute kann man diese Lücken in Deutschland nur über fossile Kraftwerke (ca. 70 GW installierte Leistung) schließen und damit die Versorgungssicherheit ermöglichen. Für Speicherseen fehlen Berge, Täler und die Zeit um so etwas zu bauen.
Es geht aber trotzdem: Sobald die Gas-Pipelines grünen Wasserstoff aus den sonnen- und windreichen Regionen liefern, können die Kraftwerke auf grünen Wasserstoff umgestellt werden. Noch besser wäre die dezentrale Kraftwärme-Kopplung mit Wasserstoff-Motoren oder Brennstoffzellen. Da sind aber wieder die Kommunen gefragt, das voran zu treiben.

Fazit:

Hört auf mit unnötigen Diskussionen und dem Fingerzeig nach Berlin oder Brüssel. Erstellt vor Ort einen tragfähigen Plan für eine resiliente und saubere Energieversorgung, der auch für alle Jahreszeiten passt und der dann auch konsequent umgesetzt wird.

Übrigens: Trotz der vielen Speicherseen gibt es in Ländern wie Spanien, Norwegen oder der Schweiz sehr viele Aktivitäten im Bereich Wasserstoff. Sie haben alle verstanden, dass die Dekarbonisierung der Energiesysteme auch viel Wasserstoff braucht!

 

Titelbild: Oberaar-Speichersee in der Schweiz

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