Grünes Methanol: Wirtschaftsmotor und goldener Baustein in der Transformation

Ein Gastbeitrag von Michael Trapp aus Ludesch

Die Angaben zur Größe und Entwicklung des gesamten Methanol-Marktes variieren. Der weltweite Umsatz wird für 2025/26 mit 33 Mrd. USD und der Absatz mit etwa 110 Millionen Tonnen pro Jahr angegeben. BASF, Liquid Wind, Europe Energy, Methanex, ABEL Energy hielten 2024 einen Weltmarktanteil von 25 Prozent. Der Methanol-Markt soll in den nächsten Jahren um fünf Prozent pro Jahr wachsen, getrieben von einer Kombination aus Umwelt-, Wirtschafts- und Technologiefaktoren. Die Hauptreiber sind die Entwicklungen emissionsminimierter Produktionstechnologien sowie die Option ein größeres Anwendungsspektrum zu erschließen:

Grünes Methanol wird aus grünem Wasserstoff und Kohlendioxid ohne Emission von Treibhausgasen hergestellt. Heute dominiert fossiles Methanol, das aus Erdgas oder Kohlegas hergestellt wird. Es wird überwiegend als Chemierohstoff und Zusatz für Kraftstoffe verwendet (siehe Titelbild). Grünes Methanol wird, wie E-Methan und E-Ammoniak auch als Wasserstoff-Derivat  bezeichnet und ermöglicht die einfache Speicherung und den Transport von Energie aus sonnen- und windreichen Regionen. Methanol kann aber auch regional aus überschüssigem Strom erzeugt werden. Heute ist die internationale Handelsschifffahrt mit modernen Dual-Fuel-Motoren (Diesel/Methanol) der Hauptabnehmer für klimaneutrales Methanol.

Der Marktanteil von Grünem Methanol am Methanol Gesamtmarkt ist gering, da es noch deutlich teurer ist als fossil-basiertes Methanol. Dennoch steigt die Nachfrage, die prognostizierten Wachstumsraten schwanken zwischen 18 und 89 Prozent jährlich. Derzeit entstehen viele neue, innovative Herstellungsverfahren. Der asiatisch-pazifische Raum dominiert die Aktivitäten. Zu den größeren Produzenten zählen Goldwind Science & Technology, European Energy, Carbon Recycling International, OCI / BioMCN, Methanex Corporation oder ThyssenKrupp-Uhde. Die in 2026 erstellte Datenbank des Methanol Instituts, Washington, umfasst 263 Projekte zur Erzeugung erneuerbaren Methanols mit einer angekündigten Gesamtkapazität von 48,5 Millionen Tonnen.

Warum ist grünes Methanol so bedeutungsvoll?

Mit grünem Methanol (Biomethanol oder e-Methanol) könnten weltweitem im großen Maßstab und voll erschlossenem Anwendungsspektrum rechnerisch bis zu 10 Milliarden Tonnen CO2e Emissionen pro Jahr vermieden werden.  Methanol aus Rohstoffen hergestellt, die unendlich und überall auf dem Globus verfügbar sind (CO2 und Grüner Strom), hat das Potential,  große strukturelle Veränderungen bei der Energieversorgung zu verursachen.  Produktionsstätten, Lieferketten, Infrastrukturen, Versorgungsnetze würden neu strukturiert werden. Für Produzenten und Anwender wäre die Belastung durch die CO2 Steuer reduziert und mit geringeren Gestehungskosten gäbe es preispolitische Wettbewerbsvorteile. Gelänge es sogar Minireaktoren zu entwickeln, die  CO2 und  Strom vor Ort nutzen und nur einen Wasseranschluss für die Wasserstofferzeugung benötigen, welche Welt würde sich dann entwickeln? Regional erzeugtes Methanol könnte einfach gespeichert und bei Bedarf für Fahrzeuge oder die Strom- und Wärmeerzeugung genutzt werden.

Grünes Methanol Made in Europe?

Europa steht bei der Entwicklung des Marktsegmentes Grünes Methanol im intensiven Wettbewerb mit China und den USA. China ist mit dem Aufbau des Marktsegmentes weltweit führend. Bis 2025/2026 wurden Großanlagen mit Kapazitäten von je 50.000 bis 500.000 Tonnen pro Jahr genehmigt. Das chinesische Unternehmen Geely Holding hat sogar eine Autogeneration vorgestellt, die mit Methanol statt mit Benzin fährt. In den USA wird die Produktion von Grünem Methanol, u.a. mit steuerlichen Anreizen vorangetrieben. Dazu gehören Großprojekte wie das Carbon Sink Projekt in South Dakota oder Beaver Lake Biofuels in North Dakota (SunGas Renewables & C2X; geplant 500.000 Tonnen pro Jahr). Für die EU ist Grünes Methanol eine große Chance, wirtschaftlich ein Stück unabhängiger zu werden und einen signifikanten Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Sie fördert die Entwicklung und Produktion des Grünen Methanol durch regulatorische Maßnahmen und Projektzuschüsse bereits in Milliardenhöhe.

Projekt Beispiele:

Frankreich eM-Rhône Projekt (150.000 Tonnen p.a. geplant)

Österreich HyDi-Projekt (20.000 CO2 Emissionseinsparung p.a. geplant), Green Synergy (Entwicklung neuer Katalysator) SYMBOKO (Entwicklung dezentrale Produktionskette im kleinen Maßstab)

Dänemark Kassø E-methanol Facility (seit 2025 42.000 Tonnen p.a.).

Kostenreduktion durch Skalierung

Die größten Herausforderungen in der großtechnischen Herstellung von Grünem Methanol ist die zügige Kostenreduktion durch den Ausbau der Produktion. Für die Bereitstellung von reinem CO2 und Wasserstoff für die Methanol-Synthese gibt es zahlreiche Entwicklungen mit hohem Potential zur Reduktion des Energieverbrauches und damit der Kosten.

CO2 mit hohem Reinheitsgrad lässt sich mit verfügbaren Technologien niedrig-energetisch aus Biogas der Kläranlagen (Methan-CO2-Gemisch) oder dem Rauchgas von Verbrennungsanlagen gewinnen.  Mit neuartigen biochemischen Katalysatoren, die auf molekularer Ebene mit flüssigen Katalysatoren arbeiten, kann die für die Methanol-Synthese erforderliche Energie um ein Vielfaches reduziert werden.

Grünes Methanol ist ein Paradebeispiel für die künftige Kreislaufwirtschaft.

Titelbild: Prinzip Methanol Herstellung und Verwendung ; Quelle Methanol Institute

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Ein Kommentar

  1. Danke für den Beitrag.

    Ich sehe Methanol sehr positiv. Es hat den großen Vorteil, dass es bei Normaltemperatur flüssig ist (daher rel. einfach zu lagern und zu transportieren) und eine gravimetrische Energiedichte hat, die fast an die Hälfte von fossilen Brennstoffen heranreicht.

    Die Wirtschaftlichkeit wird kommen, wenn CO2 den Preis bekommt den es verdient.
    Wichtig sind daher die Entscheidungen die zum CO2 Zertifikatehandel auf EU Ebene getroffen wurden und die durchaus die Chance haben sie über die EU hinaus auszurollen.

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